Konstruktionsdetails
Vor-/Rückverlagerung der Abrollachse
Abrollachse verlagert · auch: Ballenrolle Orthese · Vorverlagerte Abrollachse
Direct Answer
Die Lage der mechanischen Abrollachse am Fußteil einer Orthese beeinflusst — in Kombination mit einem Dorsalanschlag im oberen Sprunggelenk — direkt das Knie-Verhalten und die Schrittlänge.
| Lage der Abrollachse | Wirkung | |
|---|---|---|
| Vorverlagert (bis zur physiologischen Fußabrollung) | Verzögerte Kniebewegung → Kniesicherheit + größere Schrittlänge | |
| Rückverlagert | Nur geringe Verzögerung der Kniebewegung → etwas Kniesicherheit, kleinere Schrittlänge |
Wie es funktioniert — Hebel-Logik
Beim Vorwärtsschritt rollt der Fuß über die Abrollachse ab. Eine vorverlagerte Achse sorgt dafür, dass der Patient länger auf dem Vorfuß steht — der Hebel über das Knie verzögert das Einknicken. Dadurch entsteht ein längerer und sichererer Schritt.
Eine rückverlagerte Achse bewirkt das Gegenteil — der Abrollpunkt liegt dichter am Knie, der Schritt fällt schneller in die Beugephase.
Wichtig — Kombination mit OSG-Anschlag
Beide Effekte gelten nur in Kombination mit einem Dorsalanschlag im OSG. Ohne OSG-Sperrung kann das Sprunggelenk frei abklappen, und der Hebel über die Abrollachse wirkt nicht auf das Knie.
→ Konstruktive Kette: OSG dorsal gesperrt + Abrollachse vorverlagert = Sichere Standphase mit guter Schrittlänge.
Bei orthopädischen Schuhen
Auch in der orthopädischen Schuhtechnik wird die Abrollachse aktiv verlegt — als Ballenrolle. Indikationen: Versteifung des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus), diabetisches Fußsyndrom mit Druckentlastung, postoperativer Schutzschuh.
→ Verwandt: Ballenabrolllinie · Knöchelgelenk Vor-/Rückverlagerung · Kompromissdrehachse OSG · Technische Achsen Orthetik.
Quellen
- LehrbuchHütt R. — Orthetik der unteren Extremitäten Standardlehrbuch für Orthesenkonstruktion und biomechanische Wirkprinzipien.
- BildungBundesfachschule für Orthopädie-Technik Dortmund (BUFA)Zentrale Fachschule für die OT-Meisterausbildung in Deutschland — definiert den „BUFA-Standard" als anerkannten Branchen-Konsens.